Dienstag, 15. September 2015


Das brisante Thema „Flüchtlinge“ (finde den Begriff Geflüchtete oder Flüchtende immer noch besser) umkreist die Medien und Gesellschaftsformen tagtäglich und einfach jeder hat irgendeine Meinung dazu. Immer wieder wird gesagt, die Kriegsgeflüchteten sind okay, aber die bösen Wirtschaftsflüchtlinge gehen ja mal gar nicht. Die nehmen uns die Arbeit, die Sozialleistungen und unsere Krankenversicherungen weg. Diese bösen Flüchtlinge!
Also mache ich mir meine Gedanken. Ich habe weder viel Ahnung vom inländischen und globalen Wirtschaftssystem und bin auch nur bedingt bewandert, wenn es um die politischen Ordnungen und Abläufe geht. Dennoch erlaube ich mir, meine Hirnaktivitäten öffentlich zu äußern. Denn wenn die ganzen anderen Aktivitäten in noch unwissenderer Form zur Schau gestellt werden dürfen, dann doch aber meine erst recht!
Ein Wirtschaftsflüchtling soll also ein Mensch sein, der nur aufgrund der finanziell besseren Situation des gewählten Landes überhaupt die schwere Reise einer Flucht auf sich nimmt.
Es wäre falsch zu behaupten, diese Art der Geflüchteten würde es nicht geben, so stellt sich mir eher die Frage: Warum wollen Menschen überhaupt in ein augenscheinlich reicheres Land einwandern?
Dazu folgendes Beispiel: Stell dir vor du gehst in den Supermarkt und möchtest einen Käse kaufen. Im Regal befinden sich zwei Stück Käse. Sie unterscheiden sich nicht im Preis und in der Sorte. Der eine Käse ist jedoch drei Tage alt und der andere frisch im Laden eingetroffen. Für welchen Käse würdest du dich entscheiden?
Deine Antwort wird entweder die sein, dass du den drei Tage alten Käse nehmen würdest, weil der ja weg muss; oder du bist ehrlich und sagst, dass du den frischeren nimmst. Denn, machen wir uns nichts vor, wir suchen immer die bessere Option. Sei es in Partnerschaften, Beruf oder bei Lebensmitteln. Wir wollen immer das was besser ist. Das ist eine menschliche Eigenschaft die wir nicht leugnen können und nur wenige Bewohner.innen dieses Landes beherrschen einen differenzierten Blick hierfür.
Stelle dir nun vor, du hast statt drei Tage alten Käse nur 3 Wochen alten Käse. Er ist trocken, zäh und schmeckt nur noch bedingt. Der Käse würde deinen Hunger auch stillen, aber auch nur relativ. Im besten Fall musst du dieses Stück Käse sowieso mit deiner Familie teilen. Jetzt steht jedoch einer vor dir und isst eine Horde voller Käseräder und erzählt dir wo und wie (vor allem „einfach“) du zu solch einem Käseluxus kommen könntest. Würdest du nicht probieren, wenigstens ein Stück von einem Käserad abzubekommen, egal wie schwierig der Weg da hin auch sein mag? Weil deine Familie satt werden und dein Leben ertragreicher sein könnte? In die Ferne gehen und sich selber gestalten, nicht hungern müssen, angstfrei leben, einfach so richtig sein, wäre das nicht toll?
Wir leben anderen Ländern in der Welt vor, wie gut, unbeschwert und dekadent man leben kann. Natürlich versuchen Menschen diese Art des Lebensentwurfs zu kopieren. Und wenn die Möglichkeit des Kopierens in deinem Land nicht wahrnehmen kannst, was ist dann wohl die logische Konsequenz?
Wenn so viele Länder und Menschen (Deutschland und auch du inbegriffen) dafür verantwortlich sind, dass diese Menschen überhaupt so sehr leiden müssen und sich bessere Lebensbedingungen wünschen, finde ich es eine bodenlose Frechheit, dass der kleine „besorgte Bürger“ sich hinstellt und jammert, der „böse farbige Mann“ nehme all sein Hab und Gut. Die „besorgten Bürger“ wären doch die ersten die massenhaft auswandern würden, wenn sie die gleichen Lebensbedingungen wie unsere Neuankömmlinge hätten.
Ein „Wirtschaftsflüchtling“ ist kein Dieb, er ist ein Mensch mit all seinen Eigenschaften und Eigenarten. Und im Leben nach besseren Optionen suchen halte ich persönlich für kein Vergehen. Hätte die Menschheit diese Eigenschaft nämlich evolutionär verdrängt, wären wir sicher noch im grauen Höhlenzeitalter.
Also: Ball flach halten, anfangen mit dem Versuch zu verstehen wieso ein Mensch wie handelt und nicht nur nachreden was irgendjemand sagt der aus versehen gelernt hat rhetorisch präsent zu sein.
Das eine Lösung für all die enorme Immigration gefunden werden muss, steht außer Frage. Aber wir Menschen die eine Stimme haben sollten diese nicht nutzen, um geölten Reis zu verbreiten. Danke!

Dienstag, 25. August 2015




Ich male mein Leben nach vorgegebenen Grenzen und Richtlinien und freue mich am Ende des Tages darüber, wie schön sich dann doch noch alles gefügt hat.
 


Ich hab es tatsächlich probiert. Ich hab mitgemacht, mitgeredet, bin mit geschwommen. Hab versucht, überall etwas positives zu sehen, die Idioten zu verstehen und den Richtlinien Vorrang zu gewähren. Habe brav meinen Gesellschaftsfrust mit endlosen Shoppingtouren betäubt und mich gewohnt jeden Tag vor mir selbst gerechtfertigt. Kein guter Weg.

Das merkt man dann, wenn du dein Gehirn wieder frei machst. Wenn dir bewusst wird, was da draußen passiert und wer dich gerade kontrolliert. Und dann verbietet man dir wütend zu werden, auszurasten, nicht klar zu kommen. Man wirft dich weg, wenn du nicht mehr mitmachen willst und kannst.
Folgend kommt der große Moment: Jetzt lebe ich hier, wie geh ich mit dieser Welt um? Wie gehe ich mit meinen Bedürfnissen um? Werde ich nie wieder Kleidung einkaufen, egal ob es mich glücklich machen würde oder nicht? Bin ich denn nicht doch die Leinwand meines Lebens? Oder: Bin ich ein schlechter Mensch, weil ich mich nicht bereit fühle auszusteigen? Bin ich genauso wie all die lebenden Individuen, die mein Inneres eigentlich verachtet?

Und doch: Ich liebe das neue technische Leben, Spiele, (Ver-)Kleidung und Spaß und gutes (veganes) Essen. Ich lebe gern wie die Made im Speck und verteufle mich an manchen Tagen für meinen Überkonsum.

Ich mag es manchmal den Linien zu folgen, nur die Fenster mit der passenden Farbe zur Nummer zu füllen. Aber ich liebe es viel mehr diese ganze billig produzierte Pappe einfach mit Spritzern und Gewalt zu zerstören. Das klappt mit solch einem Medium ganz gut, im echten leider Leben nicht so.

Ich bin also auch nur ein weiteres Wesen, was durch die Irren dieser Welt strömt. Das beste versucht daraus zu machen und sich selbst nicht zu verlieren. Dazu braucht man am Ende des Tages vielleicht auch nicht viel: Echte Freunde, Aktivitäten die einem Freude machen und eine richtig gute Geschichte. Außer, du befindest dich in diesem Loch, was dich so schnell einsaugen, wie verlassen kann. Dann hilft nur Geduld und viel Schreien. Verbal, Nonverbal, egal.

Begleite mich beim Schreien. Und beim Leben.

Miri